Trauer um Tiergefährten

Kirchen und Theologie stehen vor der Herausforderung, dem Bedürfnis nach Begleitung und Unterstützung im Fall des Tods eines Tiergefährten Rechnung zu tragen und ihre Erfahrung und Expertise im Bereich der Trauerbegleitung auch auf diesem Feld zum Tragen zu bringen. Es geht dabei nicht um eine Vermenschlichung des Tiers oder die Einebnung der Differenz von Mensch und Tier. Sondern um das Ernstnehmen einer legitimen menschlichen Emotion und um den Ausdruck einer Haltung der Mitgeschöpflichkeit, die theologisch gut begründet und angesichts der ethischen Herausforderungen unserer Zeit auch aktueller denn je ist. Im folgenden Abschnitt finden Sie Hintergrundinformationen zum Thema "Trauer um einen Tiergefährten" sowie Hinweise auf Kontaktmöglichkeiten und Veranstaltungen zum Thema.

1. Trauer um ein Tier

Der Tod ist zweifellos (auch) in unserer Gesellschaft ein Thema, mit dem man sich nicht gerne befasst. Wenn ein Mensch stirbt, gibt es Unsicherheit im Kollegenkreis, im Bekanntenkreis und in der Nachbarschaft. Man ist unsicher, wie auf angemessene Weise mit einem trauernden Menschen umzugehen ist. Trauernde machen dann die Erfahrung, dass ihnen (bewusst oder unbewusst) aus dem Weg gegangen wird und sie in ihrer Trauer allein gelassen werden.  

Beim Tod eines tierischen Gefährten kommen hier zusätzliche Widerstände hinzu: Die Trauer wird gesellschaftlich nicht respektiert und häufig als Ausdruck fragwürdiger Einstellungen diskreditiert: «Es war doch nur ein Tier.» Viele Menschen, die vom Tod eines Haustiers betroffen sind, sind deshalb nicht nur traurig, sondern sie leiden auch am Desinteresse und der mangelnden Anteilnahme ihrer Umgebung.[1] Daraus resultiert nicht selten ein Gefühl der Scham über die eigenen Gefühle, die doch – so wird suggeriert – eigentlich «nicht sein sollten». Trauernde werden in ihrer Trauer allein gelassen und können ihre Trauer häufig weder adäquat ausdrücken noch sie teilen.  

Aber die Trauer um ein Tier ist eine psychologische Realität: Jahrzehntelang verbrachte man sein Leben mit diesem treuen Gefährten, in guten wie in und schlechten Zeiten, man kümmerte und sorgte sich und zog gleichzeitig sehr viel aus dieser Beziehung. Die tiefe emotionale Beziehung zum Tier drückt sich in einer starken Trauer über den Tod des geliebten Gefährten aus. Für Kinder und Jugendliche bedeutet der Tod eines Haustieres erste Todesdeutungsmuster und Trauerbewältigungserfahrungen (mit den verbundenen psychologischen Begleiterscheinungen).[2] 

Die Tierärztin Dr. Marion Schmitt[3], die an der tierärztlichen Hochschule Hannover im Rahmen des Forschungsprojekts BELECAN (Behandlungsziele am Lebensende von companion animals) forscht, beschäftigt sich mit der Frage, ob Menschen genauso um ihre Haustiere trauern wie um andere Menschen. Die Wissenschaftlerin kommt nach einer Befragung von Tierhaltern und den ersten Ergebnissen der Forschung der Arbeitsgruppe zu dem bedeutsamen Schluss, dass: 

die Trauer um ein Haustier ebenso komplex ist wie die Trauer um einen Mitmenschen. Grundsätzlich besteht kein Unterschied zwischen den Folgen, die der Tod eines Menschen für die Hinterbliebenen haben kann und denjenigen, die nach dem Tod eines Tieres auftreten können.[4] Diese Erkenntnisse werden durch andere Studien untermauert, welche belegen, dass die Trauer um ein Tier sehr ähnlich sein kann wie um einen Menschen.[5]  

Diese empirischen Feststellungen zur Intensität von Trauerreaktionen decken sich auch mit Überlegungen, die stärker philosophisch-psychologisch fundiert sind. Wenn Emotionen, wie die neuere philosophische Emotionsforschung belegt, als Ausdruck unserer concerns – also der vielfachen Weisen, in denen uns an Aspekten der Welt liegt – zu verstehen sind, dann leuchtet im Fall der Trauer um ein Haustier unmittelbar ein, dass sich die tiefe Bindung zwischen Mensch und Tier in einer ebenso tiefen emotionalen Reaktion beim Tod des Tiers manifestiert. Es gibt keinerlei Grund zur Annahme, dass es sich bei der Trauer um ein Tier nicht um ein genuines psychisches Phänomen handelt, das in seiner Realität ernst zu nehmen ist.



[1] Siehe hierzu auch: Meitzler Matthias, Animalische Aventgarde. Zeitgenössische Kundgaben von Trauer um verstorbene Heimtiere, TIERehtik 2019/1, 109-132, 126 f.


[2] Dazu auch Meitzler, 115, m.w.H.


[3] Dr. Marion Schmitt ist angestellte Tierärztin und Doktorandin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover im Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie in der Arbeitsgruppe Ethik.


[4] Schmitt Marion, «Trauer um ein Haustier ist keine Bagatelle» in Tagblatt der Stadt Zürich vom 23. Januar 2019, https://www.tagblattzuerich.ch/aktuell/interview/interview-detail/article/trauer-um-haustiere-ist-ke... (besucht 2. April 2019); hierzu auch Meitzler, 114.


[5] Siehe z.B. Reisbig Allison M.J., Companion Animal Death, A Qualitative Analysis of Relationship Quality, Loss, and Coping, Omega. Journal of Death and Dying, Vol. 75 (2017), S. 124-150; Kemp Hellen R. et al., The Lived Experience of Companion-animal Loss: A Systematic Review of Qualitative Studies, in Anthrozoos. A Multidisciplinary Journal of The Interactions of People & Animals Vol. 29 (2016), S. 533-557.

2. Gottesdienst für trauernde Tierhaltende

Am 3. Februar 2019 fand erstmals ein Gottesdienst statt für Menschen, die um ein Tier trauern. Bei diesem Anlass konnten grosse und kleine TierhalterInnen ihre Trauer offen zum Ausdruck bringen und dem Verlust in einem Ritual Raum geben. Der Anlass wird im Jahr 2020 wieder durchgeführt. Nähere Informationen dazu folgen in Kürze.

Berichterstattung im "Horizonte Aargau" vom 4.2.2019 über den Anlass: 

Interview mit Tierärztin Marion Schmitt von der Tierärztlichen Hochschule Hannover im "Horizonte Aargau" vom 8.4.2019 zum Thema:

3. Seelsorgebriefkasten

Der Abschied von einem Tiergefährten kann starke Trauer hervorrufen, ganz ähnlich wie beim Tod eines geliebten Menschen. Viele Menschen verlieren mit ihrem tierischen Gefährten nicht nur einen Freund, mit dem sie einen Teil ihres Lebenswegs geteilt haben und der ihnen Geborgenheit und Beständigkeit gab, sondern ein Lebewesen, das seinem zweibeinigen Gefährten bedingungslose Liebe schenkte. Doch die Trauer um einen Tiergefährten wird häufig nicht ernst genommen. Wenn es niemanden gibt, an den sie sich wenden können, versuchen trauernde Tierhaltende häufig, ihre Trauer zu verbergen.

Alle Menschen, die schon einmal von einem tierischen Freund begleitet wurden den Schmerz, den sein Tod auslösen kann, wissen, dass ein Tier nach seinem Weggang eine grosse Lücke hinterlassen kann. Seine Menschen brauchen erst einmal Zeit zum Trauern, und um sich mit der neuen Situation zurecht zu finden.

Unser Seelsorger nimmt mit Ihnen Kontakt auf, wenn Sie ein persönliches Gespräch wünschen. Selbstverständlich werden Ihre Angaben streng vertraulich behandelt

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